Wie funktioniert der Energiemarkt?
Wie funktioniert der Energiemarkt und wie wird Strom an der Strombörse gehandelt? Wir klären auf.
In den Medien ist oftmals die Rede von sinkenden oder steigenden Energiepreisen. Aber wie entstehen diese und wann kommen sie bei den Kund*innen an? Wir haben die wichtigsten Infos rund um den Energiemarkt zusammengetragen.
Kurzfristiger Handel am Spot-Markt versus langfristiger Handel mit Futures
Am Energiemarkt wird zwischen dem kurzfristigen Handel am Spot-Markt und dem langfristigem Handel mit sogenannten Futures unterschieden:
Spot-Markt
Beim kurzfristigen Handel geht es um den Energieeinkauf für die nächsten Stunden oder Tage. Dadurch ist der kurzfristige Preis von unmittelbaren Einflüssen, wie etwa dem Wetter oder dem aktuellen Energiebedarf, abhängig.
Man unterscheidet dabei zwischen dem Day-Ahead und dem Intraday-Handel. Beim Day-Ahead-Handel wird Energie einen Tag im Voraus gekauft oder verkauft – also zum Beispiel heute für morgen. Beim Intraday-Handel passiert das noch kurzfristiger: Hier kann Energie sogar noch am selben Tag und teilweise nur wenige Stunden vor der Lieferung gehandelt werden.
Üblicherweise ist die Besorgungsmenge auf dem Spot-Markt sehr gering, da es nur darum geht, kurzfristig abzudecken, falls unvorhergesehen doch mehr Energie verbraucht wird. Somit ist der Effekt auf die mittelfristige Preisgestaltung gering.
Futures
Der langfristige Handel gewährleistet die Versorgungssicherheit und federt schwankende Preise ab. Auf diesem Weg werden die großen Mengen an Energie beschafft, weil so mehr Planungssicherheit besteht.
Diese langfristigen Geschäfte werden auch Termingeschäfte oder Futures genannt. Dabei vereinbaren Käufer und Verkäufer bereits heute einen festen Preis für eine Lieferung in der Zukunft. Diese Lieferung kann in einigen Tagen erfolgen, häufig aber auch erst Monate oder Jahre später.
Konventionelle Kraftwerke, also Gas– oder Kohlekraftwerke, verkaufen in der Regel 90 bis 100% ihrer Erzeugung 1 bis 4 Jahre vorab auf Termin, um sich gegen Preisschwankungen auf den Spotmärkten abzusichern.
Deshalb wirken sich Entwicklungen am Energiemarkt meist nicht sofort auf die Preise für Kund*innen aus, sondern oft erst mit zeitlicher Verzögerung. Das betrifft sowohl Preissteigerungen als auch Preissenkungen.
Im folgenden Video erklären wir den Spot-Markt und die Futures basierend auf dem Gaspreis:
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Tarife mit Fixpreis versus Indexgebundene Tarife
Wann und wie stark die Preise vom Energiemarkt bei den Kund*innen ankommen, hängt von weiteren Faktoren, unter anderem auch dem gewählten Tarif, ab. Wer einen Tarif mit Fixpreis hat, erhält die bestmögliche Preisstabilität. Der Preis wird dabei für eine gewisse Dauer garantiert – unabhängig davon, wie sich der Markt verhält.
Bei einem indexgebundenen Tarif – einem sogenannten Floater – orientiert sich der Energiepreispreis viel näher am Energiemarkt. Das hat den Vorteil, dass Preissenkungen schnell spürbar sind, aber auch das Risiko, dass der Preis in kürzester Zeit in unvorhergesehene Höhen steigen kann.
Mehr Informationen zum eigenen Tarif, Preisgarantie und Vertragsbindung, sind im online Kund*innenportal meine.wienenergie.at zu finden.
Strommarktliberalisierung und "Merit Order"
Vor fast 20 Jahren hat die EU den Strommarkt liberalisiert. Mit dem Ziel, dass die Preise für Verbraucher*innen sinken und der Ausbau von erneuerbaren Energien steigt.
Seitdem können verschiedene Anbieter auf dem europaweiten Markt mit Energie handeln und die Kund*innen können ihren Energieanbieter frei wählen. Dadurch sind die Preise für die Verbraucher*innen wirklich gesunken. Und der Ausbau von erneuerbaren Energien ist attraktiver.
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Denn obwohl der Markt weitgehend frei ist und von Angebot und Nachfrage bestimmt wird, gibt es folgende Regel für den Handel: die sogenannte „Merit Order“. Die besagt, dass die Kraftwerke, die billig Strom produzieren, zuerst eingeschalten werden, um den Bedarf zu decken und erst danach die nächst-teureren Kraftwerke. Das passiert so lang, bis so viel Strom wie benötigt produziert wird.
Da Strom aus erneuerbaren Energiequellen wie Wasser-, Wind- und Solarkraft billiger produziert werden kann als Atomstrom und weit billiger als aus fossilen Brennstoffen wie Kohle und Gas, werden die erneuerbaren Kraftwerke zuerst herangezogen.
Der Strompreis an der Börse orientiert sich immer am Preis des zuletzt zugeschalteten und somit teuersten Kraftwerks. Damit hat der günstigste Erzeuger den höchsten Gewinn. Gute Nachrichten für Stromproduktion aus erneuerbaren Energien. Das teuerste Kraftwerk, das zugeschaltet werden muss, ist meist ein Gaskraftwerk. In Zeiten, in denen Gas knapp und deswegen teuer ist, ist somit auch der Strom teuer.
So wird an der Strombörse gehandelt
An der Strombörse werden Termingeschäfte, auch „Futures“ genannt, durchgeführt. Bei den Termingeschäften bietet dabei ein Verkäufer Strom für einen bestimmten Zeitpunkt in der Zukunft zu einem bestimmten Preis pro Megawattstunde an. Sowohl Verkäufer als auch Käufer, die diesem zukünftigen Geschäft zum vereinbarten Preis zustimmen, müssen bei der Börse Sicherheiten, auch „Margin“ genannt, hinterlegen.
Wie der Name schon vermuten lässt, dienen diese Sicherheiten den beiden Vertragspartnern als Absicherung für den Fall, dass einer von ihnen das Geschäft nicht wie vereinbart durchführen kann.
Logisch, nicht? Aber jetzt kommt’s:
Wenn sich der Strompreis an der Börse verändert, schreibt die Börse eine Anpassung der Sicherheiten vor: Steigt der Preis, muss der Verkäufer die Margin erhöhen, also mehr Sicherheiten hinterlegen. Sinkt der Preis, muss der Käufer nachlegen. Diese Gelder bleiben so lange hinterlegt, bis das Geschäft wie vereinbart abgewickelt wurde. Danach erhalten die Vertragspartner ihre Sicherheiten zur Gänze zurück.
Energiemarkt-Glossar
Hier haben wir ein kleines Glossar mit den wichtigsten Begriffen zum Energiemarkt zusammengestellt.
Energiemarkt
Der Energiemarkt ist der Handelsplatz für Produzenten von Strom und Gas sowie Energieversorger, die Energie an Endkund*innen liefern.
Dabei wird im Wesentlichen zwischen direkten Verträgen mit anderen Energieversorgern (OTC-Handel) und Verträgen über die Energiebörse unterschieden. An der Energiebörse werden kurzfristige (Spots) und langfristige Verträge (Futures) abgeschlossen.
OTC-Handel (direkter Handel)
OTC steht für “Over-the-Counter”. So heißt der Handel, der direkt zwischen zwei Partnern stattfindet und nicht über Börsen vermittelt wird.
Verträge im direkten Vertragsverhältnis enthalten in der Regel keine hinterlegten Sicherheiten. Sprich: für den Fall, dass ein Handelspartner den Vertrag nicht erfüllen kann, hat der andere Pech gehabt.
Energiebörse
Die Beschaffung von Energie erfolgt in der Regel über den Großhandelsmarkt, sogenannte Energiebörsen. Energiebörsen dienen dabei als Plattformen für Verkäufer und Käufer und zur Ermittlung der Marktpreise.
Um einem möglichen Vertragsausfall von Verkäufern oder Käufern entgegenzuwirken, werden Geschäfte an der Börse besichert. Das minimiert das Risiko für Verkäufer und Käufer.
Bei den Geschäften unterscheidet man zwischen kurzfristiger (Spots) und langfristiger Beschaffung (Futures).
Futures (Termingeschäfte)
Futures sind Termingeschäfte, bei denen Verkäufer und Käufer ein Geschäft zu einem bestimmten Preis vereinbaren, das erst zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Zukunft durchgeführt wird. Dieser Zeitpunkt kann einige Tage später sein oder aber erst in ein paar Jahren.
Spotmarkt
Am Spotmarkt, oder auch Day-Ahead-Markt, werden Strommengen auf Stundenbasis gehandelt. Dabei ist als Lieferzeitpunkt der darauffolgende Tag (Day-Ahead) oder derselbe Tag (Intraday) festgelegt.
Es geht also um die kurzfristige Beschaffung von Strom, wenn der tatsächliche Energiebedarf höher als ursprünglich geplant ist.
Merit-Order (Strom)
Als Merit-Order bezeichnet man die Nutzungsreihenfolge von Kraftwerken, also wann welches Kraftwerk genutzt und zugeschaltet wird. Das wird von den Stromerzeugungskosten bestimmt. Kraftwerke, die billig Strom produzieren, werden zuerst herangezogen, um den Bedarf zu decken.
Erst danach die jeweils nächst-teureren Kraftwerke, bis der Bedarf tatsächlich gedeckt ist. Der Strompreis richtet sich nach dem zuletzt zugeschalteten und somit teuersten Kraftwerk.
Aktuell sind das Gaskraftwerke. Bedeutet: Bei den aktuell hohen Gaspreisen steigt der Marktpreis für Strom damit sehr stark an.
Sicherheiten (Margins)
Im Börsenhandel müssen die Geschäfte abgesichert werden. Dadurch ist sichergestellt, dass die Handelspartner*innen in der Lage sind, wie vereinbart zu verkaufen bzw. zu kaufen.
Der Preis an der Börse bestimmt die Höhe der Sicherheiten, auch Margins genannt.
Margin Call
Mit einem Margin Call (Börsenbegriff) fordert die Börse einen Verkäufer oder Käufer auf, die Sicherheiten seines Kontos anzupassen. Immer dann, wenn sich die erwarteten Marktpreise verändert haben.
Es können sowohl mehr Sicherheiten eingefordert werden (das heißt es muss eine Zahlung an die Börse erfolgen) oder Sicherheiten an den Händler zurückfließen.


