Second-Life-Batterien – nachhaltige Energiespeicher mit Zukunft 

Aus alten E-Auto-Batterien werden wertvolle Energiespeicher. Second-Life-Batterien sind nachhaltig, wettbewerbsfähig und fördern die Kreislaufwirtschaft. Wien Energie setzt auf diese zukunftsweisende Technologie und arbeitet gerade an einem neuen Großspeicher.
Aktualisiert am: 12.08.2025
Second Life Batteriespeicher bei PV-Anlage Rosiwalgasse

Das Wichtigste in Kürze:

  • Zweites Leben für E-Auto-Batterien: Second-Life-Batteriespeicher nutzen gebrauchte oder überschüssige Batteriemodule aus der E-Mobilität zur Speicherung von Solar- und Windenergie. 
  • Nachhaltige Alternative zu Neusystemen: Sie sind ressourcenschonender und klimafreundlicher, da weniger Rohstoffe benötigt werden.
  • Vielfältige Einsatzbereiche: Von Haushalten über Gewerbebetriebe bis hin zur Netzstabilisierung im öffentlichen Stromnetz bieten Second-Life-Speicher flexible Lösungen. 
  • Technisch geprüft und sicher: Jedes Batteriemodul wird vor dem Einsatz gründlich getestet und mit moderner Steuerungstechnik ausgestattet. 
  • Innovatives Wiener Vorzeigeprojekt: Wien Energie errichtet am Heizwerk Süd Österreichs größten Second-Life-Speicher mit rund 1 MW Leistung und 4 MWh Kapazität. 

Was sind Second-Life-Batteriespeicher? 

Idee hinter dem Second Life

Second-Life-Batteriespeicher nutzen entweder neue Batteriemodule aus einer Überproduktion, die andernfalls entsorgt würden oder bereits in der E-Mobilität verwendete Batteriemodule, um Strom zu speichern. Bei den Batterien handelt es sich dabei meistens um solche auf Basis von Lithium-Ionen, die zuvor in E-Autos eingesetzt wurden. Diese leisten jahrelang wertvolle Dienste, doch im Laufe der Jahre nimmt ihre Kapazität ab.  

Nach rund acht bis zehn Jahren Einsatzzeit fällt die Speicherfähigkeit auf unter 80 %. Die für den Fahrzeugbetrieb benötigte Leistung bzw. Reichweite können sie dann nicht mehr aufbringen. Das heißt aber nicht, dass sie zu diesem Zeitpunkt bereits entsorgt werden müssen. Ihre Speicherkapazität ist dann zwar schon etwas geringer, aber für andere Anwendungen, wie etwa das Speichern von Solarstrom, immer noch mehr als ausreichend. Diese Form der Weiternutzung nennt sich „Second Life“. 

In Second-Life-Batteriespeichern erhalten also gebrauchte Batteriemodule ein zweites Leben. Diese Weiterverwendung trägt zur Ressourcenschonung, Kreislaufwirtschaft Abfallvermeidung bei.  

Unterschied zwischen Second-Life- und neuen Batteriespeichern 

Während neue Batteriespeicher aus fabrikneuen Zellen mit voller Lebensdauer bestehen, setzen Second-Life-Speicher auf bereits genutzte Batteriemodule, die aber noch über ausreichend Speicherkapazität für die stationäre Anwendung als Batteriespeicher verfügen. Diese werden gründlich geprüft, technisch aufbereitet und neu zusammengesetzt. 

Der größte Unterschied liegt also in der Herkunft der Module und in weiterer Folge in der Umweltbilanz. Dass die Second-Life-Batterien auch schon ein erstes Leben hatten, bringt nämlich einen großen Vorteil mit sich: Sie sind ressourceneffizienter, da sie auf die Nutzung bestehender Materialien setzen und daher weniger neue Rohstoffe benötigt werden!  

Wie funktioniert ein Second-Life-Batteriespeicher?

Technische Grundlagen einfach erklärt

Ein Second-Life-Speicher besteht aus vielen einzelnen Batteriemodulen, die aus Elektroautos stammen. Bevor ein Modul in einem Second-Life-Speicher verwendet wird, wird es genau geprüft. Denn nicht jede gebrauchte Batterie eignet sich für die Weiterverwendung. Nur wenn Zustand und Leistung stimmen, geht es in den nächsten Lebensabschnitt. 

Die einzelnen Module werden in einem neuen Gehäuse gebündelt und mit einem sogenannten Batterie-Management-System (BMS) gesteuert. Das BMS übernimmt zentrale Aufgaben wie Lade- und Entladestrategien, Temperaturüberwachung und Zellenausgleich. So wird sichergestellt, dass die Speicher effizient arbeiten und gleichzeitig höchsten Sicherheitsstandards genügen. 

Lebensdauer & Leistung von Second-Life-Batterien

Auch wenn die Kapazität bereits leicht reduziert ist, verfügen gebrauchte Batterien meist noch über eine erhebliche Restleistung. Für viele Anwendungsbereiche reicht das aber völlig aus. Zum Beispiel, um Sonnenstrom zwischenzuspeichern, denn die Belastung ist im Vergleich zum Einsatz in Fahrzeugen geringer.  

Es gibt keine ständigen Beschleunigungen, keine starken Temperaturschwankungen und keine extremen Ladezyklen. Unter diesen Bedingungen kann die Lebensdauer im zweiten Einsatzbereich um bis zu 7 bis 12 Jahre verlängert werden. Diese zusätzliche Nutzung macht den gesamten Lebenszyklus der Batterie deutlich ressourceneffizienter. 

Wo kommen Second-Life-Batterien zum Einsatz?

Second-Life-Batterien als flexible Speicher für erneuerbare Energien

Mit dem wachsenden Anteil von Solar- und Windenergie im Strommix steigt auch der Bedarf an leistungsfähigen Energiespeichern. Denn Sonne und Wind liefern Energie nicht nur dann, wenn sie gerade gebraucht wird. Mit Second-Life-Batteriespeichern kann auf nachhaltige Weise dafür gesorgt werden, dass diese Energie nicht verloren geht. 

Damit kann nämlich Überschuss-Produktion aus erneuerbaren Quellen zwischengespeichert und zu einem späteren Zeitpunkt, wenn die Energie eben gebraucht wird, abgerufen werden.

Weitere Anwendungsbereiche im Überblick

Die möglichen Anwendungsbereiche sind wie für First-Life-Speicher sehr vielfältig:

  • In Haushalten: Second-Life-Speicher dienen als Zwischenspeicher für selbst erzeugten Solarstrom und erhöhen damit den Eigenverbrauch und die Unabhängigkeit vom Netz. 
  • Im Gewerbe: Betriebe mit hoher Stromlast, wie etwa Bäckereien, Werkstätten oder Lagerhallen, profitieren von Batteriespeichern, die Lastspitzen abfangen und Energiekosten senken. 
  • In der Industrie / Im öffentlichen Netzbetrieb: Große Speicheranlagen, wie jene von Wien Energie, tragen zur Netzstabilität bei, da damit kurzfristige Schwankungen im Stromnetz ausgeglichen werden können. 

Vor- und Nachteile von Second-Life-Batteriespeichern

Chancen

  • Ressourcenschonung
    Durch die Wiederverwendung gebrauchter Module wird der Bedarf an kritischen Rohstoffen deutlich reduziert.
  • Reduktion von Emissionen
    Weniger Bedarf an Primärrohstoffen wie Lithium, Kobalt oder Nickel bedeutet weniger Umweltbelastung durch Abbau und Transport dieser Materialien. Geringere CO₂-Emissionen in der Herstellung und eine längere Lebensdauer energieintensiver Produkte macht diese Speichersysteme deutlich klimafreundliche
  • Beitrag zur Kreislaufwirtschaft
    Second-Life-Speicher fördern die Kreislaufwirtschaft, indem bereits produzierte Komponenten sinnvoll weiterverwendet werden.

Herausforderungen

  • Sicherheitsfragen
    Die Batterien entstammen der E-Mobilität, wo hohe Sicherheitsstandards für die Zulassung gelten. Der technische Zustand gebrauchter Batterien kann jedoch variieren, was durch besondere Prüf- und Sicherheitsmaßnahmen vor dem Einbau in Second-Life-Speichern berücksichtig wird. 
  • Verfügbarkeit
    Das Angebot an gebrauchten Modulen hängt vom Rücklauf aus E-Fahrzeugen ab. Aktuell ist die Marktverfügbarkeit noch begrenzt, was die breite Anwendung einschränkt.
  • Technische Komplexität
    Da jede Batterie ein individuelles Nutzungsprofil hat, können sich die Module in Bezug auf Qualität stark unterscheiden. Das macht Planung und Zusammenstellung aufwändiger als bei Speichern mit neuen Batterien.

Fazit

Second-Life-Batterien sind ein Schlüsselelement der nachhaltigen Energiewende. Sie machen ausgediente E-Autobatterien zu wertvollen Energiespeichern und verlängern die Lebensdauer hochwertiger Materialien. Sie sind effizient, ressourcenschonend und klimafreundlich. Mit unserem Projekt in der Rosiwalgasse zeigen wir, dass diese Technologie nicht nur zukunftsfähig, sondern bereits Realität ist. 

Second-Life-Batterien » Energiespeicher für die Energiewende