Energie aus Abfall – so funktioniert’s
Jeder in Österreich produziert im Durchschnitt 570 Kilogramm Müll im Jahr. Unbehandelte Abfälle dürfen lt. Gesetz in Österreich nicht einfach deponiert werden. Wie kann dieser ganzer Abfall ressourcen- und umweltschonend als Energiequelle weiterverwendet werden? Wir klären auf.
Die Müllabfuhr (MA 48) holt den Restmüll ab und bringt ihn zur Abfallverwertungsanlage Spittelau, Flötzersteig oder Pfaffenau. Bis zu 220 Müllautos liefern täglich Restmüll zur Spittelau. Aus den 260.000 Tonnen Hausmüll, die hier jährlich landen, entsteht unter anderem Energie. So werden jährlich 30.000 Haushalte mit Strom und 60.000 Haushalte mit Wärme versorgt.
Ab in den Müllbunker

Die angelieferten Abfälle werden von einer Brückenwaage gewogen und dann in einem 7.000 Kubikmeter großen Betonbecken, dem Müllbunker zwischengelagert. Ein Kran mischt im Betonbecken die verschiedenen Abfälle gut durch. So entsteht ein homogener Brennstoff, der weder zu feucht noch zu trocken ist.
Mittels Greifarm, der von unseren Mitarbeiter*innen bedient wird, wird der Abfall auf ein Förderband, das Rostfeuerzug, gelegt. Dieser Vorschubrost bewegt sich ständig vor und zurück, wodurch der Müll umgewälzt und weitergeschoben wird.
Der Müll landet schließlich in einen der beiden Müllöfen, wo der Abfall eine Stunde lang bei 850 °C bis 1.200 °C verbrannt wird. Die hohe Temperatur ist wichtig, damit sämtliche Schadstoffe zerstört werden und ist gesetzlich vorgegeben. Damit die Temperatur, sprich die Feuerleistung, durchgehend gehalten wird, kommt eine moderne Steuerungselektronik zum Einsatz.
Dass der Müllverbrennung extra Plastik beigemischt wird, damit der Müll besser brennt, ist nur ein Mythos und stimmt nicht.
Müll wird zu Strom und Wärme
Durch das Verbrennen des Mülls entstehen heiße Rauchgase. Diese werden in weiterer Folge für die Strom- und Wärmeerzeugung verwendet:
Stromerzeugung
Die heißen Rauchgase erwärmen Rohleitungen in denen sich Wasser befindet. Durch die Hitze wird das Wasser in den Rohren zu heißem Dampf.
Der Dampf wird durch eine Turbine geleitet und treibt schließlich einen Generator an, der sich wie ein Propeller dreht und über eine Spule (ähnlich wie bei einem Elektromotor) Strom erzeugt.
Wärmeerzeugung
Danach bleibt noch viel Dampf übrig. Dieser wird über einen Wärmetauscher zu Wärme umgewandelt und landet im Fernwärmenetz.
Was passiert mit den Rauchgasen?

In der Abfallverwertungsanlage Spittelau befindet sich eine der weltweit modernsten Rauchgasreinigungen. Diese Abgasreinigungstechnologien reinigen das Rauchgas so gut, dass es nach dem Prozess hauptsächlich aus Wasserdampf besteht und somit für die Umwelt harmlos ist.
Durch den Kamin gelangt es in 126 Metern Höhe in die Luft. Am Kamin befindet sich die bekannte „goldene Kugel“. In der goldenen Kugel ist die Emissionswarte untergebracht.
Was bleibt vom Restmüll übrig?
Von 1.000 Kilo Restmüll verbrennen rund 76 %, was übrig bleibt sind:
- 20 % Schlacke (200 Kilo)
- 2,5 % Asche (25 Kilo)
- 0,1 % Filterkuchen (1 Kilo)
Es landen immer wieder nicht-brennbare Stoffe wie z.B. Steine, Keramik, Sand, Glas oder Metalle im Hausmüll. Diese Stoffe verbrennen bei 850 °C bis 1.200 °C nicht. Sie bleiben nach dem Verbrennen als Schlacke übrig. Die MA48 bereitet im Sinne einer guten Kreislaufwirtschaft die Schlacke nochmals auf. So können wertvolle Stoffe, wie beispielsweise Metalle, gewonnen werden.
Der Rest der Schlacke und der Asche werden auf der Deponie Rautenweg deponiert, bzw. auch zur Befestigung der Deponiewände verwendet.
Der Filterkuchen besteht aus den Resten der Rauchgase, die nicht gereinigt werden konnten. Dieser wird in einer Untertage-Deponie in Deutschland gelagert.
Die Zukunft der Müllverbrennung
In Summe ist dieses Verfahren umweltschonend, sicher, ökologisch, aber auch notwendig. Gäbe es die Müllverbrennung nicht, würde der gesamte Müll auf der Deponie landen.
Natürlich wird laufend weiter daran gearbeitet, den Prozess noch effizienter und ressourcenschonender zu machen. Ein Beispiel dafür sind die Rückgewinnung von Phosphor aus Aschen oder neue Verfahren, die Glas aus Schlacken für die Glasindustrie zurückgewinnen. Künftig könnte die Schlacke auch im Betonbau Verwendung finden, dafür benötigt es aber eine Gesetzesänderung.
Die Spittelau ist nicht nur ein Wiener Wahrzeichen, sondern auch ein Vorbild für den Klimaschutz in der Stadt. Sie verbindet Technik, Kunst und Ökologie und verwertet den Hausmüll wieder. Die Müllverbrennungsanlage Spittelau kann übrigens auch besucht werden.



